[02:11.43]Ich trage die Fahne. [02:15.09]Ich trage die Fahne. [02:20.76]Ich trage die Fahne. [02:29.69]Im Vorsaal über einem Sessel hängt der Waffenrock, [02:32.04]das Bandelier und der Mantel von dem von Langenau. [02:35.31]Seine Handschuhe liegen auf dem Fußboden. [02:37.95]Seine Fahne steht steil, gelehnt an das Fensterkreuz. [02:41.32]Sie ist schwarz und schlank. [02:44.16]Draußen jagt ein Sturm über den Himmel hin und macht [02:46.23]Stücke aus der Nacht, weiße und schwarze. [02:50.25]Der Mondschein geht wie ein langer Blitz vorbei, [02:53.78]und die reglose Fahne hat unruhige Schatten. [02:57.80]Sie träumt. [03:03.65]Ist das der Morgen? [03:07.05]Welche Sonne geht auf? [03:10.44]Wie groß ist die Sonne. [03:13.47]Sind das Vögel? [03:15.90]Ihre Stimmen sind überall. [03:20.26]Alles ist hell, aber es ist kein Tag. [03:22.93]Alles ist laut, aber es sind nicht Vogelstimmen. [03:26.06]Das sind die Balken, die leuchten. [03:28.60]Das sind die Fenster, die schrein. [03:29.59]Und sie schrein, rot, in die Feinde hinein, [03:31.71]die draußen stehn im flackernden Land, schrein Brand. [03:35.70]Und mit zerrissenem Schlaf im Gesicht drängen sich alle, [03:37.74]halb Eisen, halb nackt, von Zimmer zu Zimmer, [03:39.49]von Trakt zu Trakt und suchen die Treppe. [03:41.92]Und mit verschlagenem Atem stammeln Hörner im Hof: Sammeln, sammeln! [03:45.97]Und bebende Trommeln. [03:49.31]Aber die Fahne ist nicht dabei. [03:59.42]Er läuft um die Wette mit brennenden Gängen, [04:00.83]durch Türen, die ihn glühend umdrängen, über Treppen, [04:03.97]die ihn versengen, bricht er aus aus dem rasenden Bau. [04:08.36]Auf seinen Armen trägt er die Fahne wie eine weiße, [04:10.16]bewußtlose Frau. Und er findet ein Pferd, [04:12.87]und es ist wie ein Schrei - über alles dahin und an [04:15.33]allem vorbei, auch an den Seinen. [04:17.73]Und da kommt auch die Fahne wieder zu sich [04:19.95]und niemals war sie so königlich; [04:22.62]und jetzt sehn sie sie alle, fern voran, [04:25.41]und erkennen den hellen, [04:26.07]helmlosen Mann und erkennen die Fahne... [04:29.91]Aber da fängt sie zu scheinen an, [04:32.75]wirft sich hinaus und wird groß und rot ... [04:40.36]Da brennt ihre Fahne mitten im Feind, und sie jagen ihr nach. [04:55.38]Der Waffenrock ist im Schlosse verbrannt, [04:58.77]der Brief und das Rosenblatt einer fremden Frau. [05:13.24]Im nächsten Frühjahr (es kam traurig und kalt) ritt ein [05:19.33]Kurier des Freiherrn von Pirovano langsam in Langenau ein. [05:27.72]Dort hat er eine alte Frau weinen sehen.